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Die Unabhängigkeit Bosnien und Herzegowinas und die Rolle von Alija Izetbegović

Die Partei der demokratischen Aktion, mit Izetbegović an der Spitze, setzte sich vom ersten Tag für ein ganzheitliches Bosnien und Herzegowina ein, eine Bürgerrepublik innerhalb oder außerhalb Jugoslawiens. Für den Präsidenten Izetbegović stellten der Fortbestand und die Demokratisierung Jugoslawiens das Schlüsselelement für eine friedliche Lösung ihrer Krise dar. Deshalb nahm er aktiv an der Arbeit des Staatspräsidiums der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawiens teil. Bei diesen Sitzungen wurde ohne Erfolg versucht, das Schicksal Jugoslawiens auf friedliche Weise zu bestimmen. Der letzte Versuch dieser Art war eine Plattform, bestehend aus dem Präsidenten Izetbegović und dem Präsidenten der damaligen Republik Mazedonien, Kiro Gligorov, die eine «asymmetrische Föderation» vorsah bzw. dass Jugoslawien, aus einem Bundesstaat zu einem Staatenbund wird. Dieser Plan wurde als sehr positiv eingeschätzt, aber die destruktive politische Achse Belgrad-Zagreb zerstörte ihn. In dem Versuch einen Beitrag zur friedlichen Lösung des Konflikts zu leisten, fällte das Präsidium Bosnien und Herzegowinas, mit Izetbegović an der Spitze, die Entscheidung, Soldaten und Reservisten aus Bosnien und Herzegowina nicht in das Kriegsgebiet in Kroatien zu entsenden.
Aufgrund der Brüsseler Deklaration der Europäischen Gemeinschaft vom 17. Dezember 1991, verabschiedete die Versammlung Bosnien und Herzegowinas am 20. Januar 1992 das Memorandum über die Souveränität. Die Referendumsfrage lautete: «Sind Sie für ein souveränes und unabhängiges Bosnien und Herzegowina, einem Staat der gleichberechtigten Bürger und Völker Bosnien und Herzegowinas – Muslimen, Serben und Kroatien sowie Angehörigen sonstiger Völker, die in ihm leben?» 
Das Referendum wurde am 29. Februar und am 1. März 1992 abgehalten; die Beteiligung der Bürger betrug 63,95 %, davon stimmten 99% für ein unabhängiges Bosnien und Herzegowina. Die Führer der bosnischen Serben fochten dieses Referendum an.
In dieser dramatischen Zeit verwirklichte der Präsident Izetbegović seine ersten, jedoch äußerst bedeutenden internationalen Kontakte.
Seine erste offizielle Begegnung fand in Wien, während eines Österreich-Besuchs, statt, als er Kurt Waldheim traf, den ehemaligen Generalsekretär der Vereinten Nationen, sowie Alois Mock, den Außenminister der Republik Österreich. Danach besuchte er den Iran, die Türkei und die USA. In Rom wohnte er mehreren Sitzungen der Minister der Europäischen Gemeinschaft bei und danach empfing ihn Papst Johannes Paul II. Danas besuchte er in Belgrad das Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Kirche, den Patriarchen Pavle. 

Eckdaten zu Bosnien und Herzegowina:

Hauptstadt: Sarajevo
Fläche: 51.209,2 km2
Einwohner: 4.354.911 (Angaben der letzten Volkszählung aus dem Jahr 1991)
Völker: Bosniaken, Serbien, Kroaten, Sonstige

Höchster Punkt: Gebirge Maglić (2.386 m über dem Meeresspiegel)
Tiefster Punkt: Meeresstadt Neum (0 m über dem Meeresspiegel)
Ausgang zum Meer: Stadt Neum mit einer Uferlinie von 21,2 km

Nachbarländer:
Republik Kroatien (Grenze im Norden, Westen und Südwesten)
Republik Serbien (Grenze im Osten)
Republik Montenegro (Grenze im Südosten)

Offizielle Sprachen: Bosnisch, Serbisch, Kroatisch
Offizielle Schrift: Lateinisch, Kyrillisch

Währung: Konvertible Mark (BAM)
Währungswert: 1 € = 1,95583 BAM

Wappen und Fahne:

 

   

Die Aggression gegen Bosnien und Herzegowina

Die Europäische Gemeinschaft erkannte aufgrund der Referendumsergebnisse am 6. April 1992 Bosnien und Herzegowina an und die USA schlossen sich ihr einen Tag später an. Am gleichen Tag, starteten der Anführer der bosnischen Serben Radovan Karadžić und der Präsident Serbiens Slobodan Milošević den militärischen Angriff auf den international anerkannten Staat Bosnien und Herzegowina und die Belagerung Sarajevos.
 
Unter den schwierigen Bedingungen der Aggression, erließ das Präsidium Bosnien und Herzegowinas, mit Alija Izetbegović an der Spitze, den Beschluss über die Gründung der Armee der Republik Bosnien und Herzegowinas und der Kriegsregierung.
Eine der wichtigsten Entscheidungen war auch die, dass das Präsidium im belagerten Sarajevo bleibt.
Alija Izetbegović setzte sich für den einheitlichen, bürgerlichen und multiethischen Staat Bosnien und Herzegowina in seinen historischen Grenzen ein und in diesem Sinne legte er die Politik und den Kampf als Befreiungskrieg fest.
 

 

Der Sieg der Wahrheit und die Kontinuität Bosnien und Herzegowinas

Die Hartnäckigkeit des Präsidenten Izetbegović beim Aufzeigen der Wahrheit über Bosnien und Herzegowina, über den Fortschritt der Armee der Republik Bosnien und Herzegowinas auf dem Kriegsschauplatz, über die Schwächung der Moral bei den Angreifern sowie den begangenen Völkermord in Srebrenica, über die «Schutzzone» der Vereinten Nationen, das Massaker der Tschetniks auf dem Kapija-Platz in Tuzla und dem Marktplatz „Markale“ in Sarajevo sowie die Tatsache, das neue Anführer führender Länder Westeuropas und der USA an die Macht kamen, führten letztendlich zu einer internationalen Reaktion und militärischen Angriffen des NATO-Pakts auf serbische Stellungen im September 1995, die die Abschlussphase des Kriegs einläuteten. Der Krieg endete am 21. November 1995 mit der Paraphierung des Friedensabkommens in Dayton.

Die Friedensverhandlungen in Dayton stellten für Präsident Izetbegović einen der schwersten Augenblicke im Leben dar. In seinem Tagebuch schrieb er: «Verhandeln bedeutet Entscheidungen zu treffen und das ist die schwerste Aufgabe, die einem Menschen auferlegt werden kann. Mein Problem lag darin, dass ich weder einen guten Frieden, erlangen konnte, noch einen guten Krieg führen konnte». Nach zwanzigtägigen Verhandlungen  wurde ein Abkommen erreicht, das, in Anwesenheit des Präsidenten Bill Clinton feierlich paraphiert wurde. Mit diesem Abkommen wurde die Eigenstaatlichkeit Bosnien und Herzegowinas in seinen historischen Grenzen bestätigt. Der Frieden wurde am 14. Dezember 1995 in Paris paraphiert.

 

Politische Einrichtung

Nach dem Dayton-Friedensabkommen ist Bosnien und Herzegowina seit 1995 auf Verwaltungsebene aufgeteilt, und zwar in zwei Entitäten – die Föderation Bosnien und Herzegowina (51% des Gesamtterritoriums Bosnien und Herzegowinas), die Republika Srpska (49% des Gesamtterritoriums Bosnien und Herzegowinas) und der Brčko Distrikt.

Im Rahmen dieser Aufteilung wurde die Föderation Bosnien und Herzegowinas (aufgrund des Washingtoner Abkommens aus dem Jahr 1994) administrativ in zehn Kantons aufgeteilt. Darüber hinaus gibt es in Bosnien und Herzegowina (in beiden Entitäten und im Distrikt) noch 147 Gemeinden (diese Zahl variiert).

Jede dieser Verwaltungseinheiten, ungeachtet der Gemeinden, hat ihre gesetzgeberischen, exekutiven und Gerichtsorgane (Parlament, Regierung, Gerichte), ihre städtischen Zentren und Hauptstädte. Jede der angeführten Verwaltungseinheiten hat ihre Strategien, Gesetze, Politiken und kümmert sich um ihre Administration. Über der Administration beider Entitätsebenen befindet sich die Staatsebene Bosnien und Herzegowinas. In Bosnien und Herzegowina herrscht parlamentarischen Demokratie mit einem Zweihaussystem (Abgeordnetenhaus und Völkerhaus der Parlamentsversammlung Bosnien und Herzegowinas). Die Regierung Bosnien und Herzegowinas stellt der Ministerrat, angeführt vom Ministerratsvorsitzenden, dar. Der Ministerrat besteht aus neun Ministerien.